Scheinselbständigkeit bei Kurierdiensten

In vielen Branchen, so auch in der Versandbranche wie bei den Kurierdiensten, erfolgen heute Auslagerungen. Das bedeutet das teile oder aber auch das ganze Geschäft an Dienstleister ausgelagert wird. So kann es gut sein das die Zusteller beim Kurierdienst XY zwar mit dem Firmennamen und in Arbeitskleidung vom Kurierdienst öffentlich auftreten, nicht aber beim Kurierdienst angestellt sind. Vielmehr handelt es sich hier dann um selbstständige Zusteller, die im Auftrag vom Kurierdienst die Zustellung übernehmen.

Das Risiko der Scheinselbstständigkeit

Scheinselbständigkeit bei Kurierdiensten
Quelle: pixabay.com

Für die Kurierdienstunternehmen hat diese Auslagerung zahlreiche Vorteile. So sparen sie bei den Kosten wie den Sozialabgaben und müssen auch nicht eventuelle Tarifverträge, Urlaub und Krankheit berücksichtigen. Stattdessen gibt es einen klaren Dienstleistungsvertrag, der den genauen Leistungsumfang und die damit verbundenen Kosten beinhaltet. So groß das für ein Kurierdienst auf den ersten Blick ein Vorteil ist, sind die Risiken nicht zu vernachlässigen. Den nicht selten handelt es sich bei den selbstständigen Zustellern um sogenannte Solo-Selbstständige und nicht um große Unternehmen. Und genau hier besteht dann nicht nur unter Umständen aufgrund der Bezahlung ein soziales Problem, sondern auch die Gefahr der Scheinselbstständigkeit.

Merkmale einer Selbstständigkeit

Mit einer Selbstständigkeit sind bestimmte Voraussetzungen untrennbar verbunden. So entscheidet der Selbstständige eigenständig über seine Arbeitszeit und seinen Arbeitsumfang. Und ein Selbstständiger ist auch nicht an Weisungen gebunden. Und noch ein entscheidendes Merkmal zeichnet eine Selbstständigkeit aus, man arbeitet nicht nur für einen Auftraggeber, sondern man hat mehrere. Gerade wenn gegen einzelne oder sogar alle Punkte verstoßen wird, liegt der Verdacht einer Scheinselbstständigkeit vor. Den wer Weisungen unterliegt und seine Arbeit nicht einteilen kann und nur einen Auftraggeber hat, der ist nicht selbstständig.

Folgen einer Scheinselbstständigkeit

Eine Scheinselbstständigkeit ist natürlich nicht folgenlos. Grundsätzlich können Behörden eine Scheinselbstständigkeit relativ einfach anhand den bereits aufgezählten Punkten feststellen. Für die Feststellung der Scheinselbstständigkeit kommen mehrere Behörden in Betracht. Hier kann eine Feststellung durch die Deutsche Rentenversicherung, aber auch durch den Zoll und die Finanzbehörden erfolgen. Und wird die Scheinselbstständigkeit festgestellt, kann es richtig teuer werden. Die Strafen die hierbei folgen können, richten sich nicht an den Selbstständigen, sondern vielmehr an den Auftraggeber. Dieser muss nicht nur rückwirkend entsprechende Sozialbeiträge für den Scheinselbstständigen abführen, da dieser dann als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter eingestuft wird. Je nach Dauer der Tätigkeit, können hier schnell mal einige tausend Euro zusammenkommen. Hierbei bleibt es aber nicht, sondern es erfolgt auch noch eine Strafverfolgung. Den das Vorliegen einer Scheinselbstständigkeit stellt nicht nur eine Steuerhinterziehung dar, sondern auch eine Straftat wegen Nichtabführung von Arbeitgeberentgelten. Von einer Geldstrafe bis zur Freiheitsstrafe ist hier vieles möglich.